Endlich ist es da! Das ẞ!

Großes und kleines Eszett Das kleine ß muss nun nicht mehr alleine sein Dasein fristen.

Das kleine ß muss nun nicht mehr alleine sein Dasein fristen.

Wie oft haben textaffine Schreiberlinge auf ihrer Tastatur vergeblich nach diesem Buchstaben gesucht? Wie viele Halbglatzen sind durch das verzweifelte Haare raufen entstanden? Und die ganzen tatsächlich Betroffenen darf man nicht vergessen! Frau Groß in deren Pässen GROSS steht, weil es den Versal des „scharfen S“ nicht gab! Die deutschsprachige Welt, außer der Schweiz (hier gibt es kein ß) ist ein bisschen näher zusammengerückt seit es das „ẞ“ gibt.

Warum?

Im 3. Bericht des Rates für deutsche Rechtschreibung wird darauf aufmerksam gemacht, dass mit den technischen Möglichkeiten einem großem ß, also einem ẞ, nichts mehr im Wege stehe. Gerade in den Bereichen der Bürokratie und der Werbung wäre die bisherige Regelung, dass es das „ß“ nur als Kleinbuchstabe gibt mit dem Schreibgebrauch nicht in Einklang zu bringen.

In Reisepässen und anderen amtlichen Dokumenten in denen Namen und Adressen ausschließlich groß geschrieben werden, würde mit der Einführung des Großbuchstaben ẞ das Schriftbild vereinheitlicht. Auch in der Werbung und den Medien per se, wäre diese Vereinheitlichung erwünscht.

Braucht’s das?

Eine wissenschaftlich begründete Gegenstimme zur Einführung eines „fehlenden“ Großbuchstabens wird es wohl nicht geben. Menschen deren Namen ein ß enthält und die sich schon immer ein bisschen am SS in den amtlichen Dokumenten gestört haben wird die Änderung vermutlich gefallen. Und alle die bis jetzt sagten: „Was juckt mich das Ganze?“ werden bei der nächsten Werbeüberschrift in Großbuchstaben vielleicht sagen: „Sieht ja gar nicht mal so schlecht aus“.

Die Reaktionen

Als der Rechtschreibrat seine Entscheidung bekanntgab, lagen sich viele Texter weinend in den Armen. Man sprach von einer revolutionären Entscheidung, dem Anbrechen eines neuen Zeitalters und blühenden Headlines. Sofort wurden die ersten Überschriften für die Presse getextet. Hier eine kleine Auswahl:

  • MIT ALLEM UND SCHARF – ẞ HEIZT DEUTSCHLAND EIN
  • PAUKENSCHLAG BEIM RECHTSCHREIBRAT – SS HEIẞT JETZT ẞ
  • FUẞPFLEGER IM FREUDENRAUSCH: SCHILDER JETZT AUCH IN GROẞBUCHSTABEN
  • SEX-SKANDAL IM BUNDESTAG! MINISTER FÜẞELT WÄHREND DEBATTE (lag schon länger in der Schublade)

Die nächste Reaktion war, einen Autokorso zu bilden. Da zu diesem Zeitpunkt aber schon keiner der Texter mehr fahren konnte, startete man eine Polonaise und feierte das ẞ gebührend bei einer riesigen Straßen-Party.

„Es fühlt sich einfach geil an, endlich auch auf Werbetafeln ‚HEIẞER SCHEIẞ’ schreiben zu können!“ (Michael C. Texter aus Würzburg)

Frenetischer Jubel auf der Rechtschreib-Fanmeile, als die Entscheidung des Rats bekanntgegeben wird.
Jubelnde Menschenmenge mit Deutschlandfahnen

Und wie bekomme ich das Ganze jetzt in meinen Text?

Am Mac, je nach Aktualität des Schreibprogramms und des Betriebssystems am einfachsten per copy&paste. Wer oft in Großbuchstaben schreibt und das ẞ häufiger benötigt, kann in den Systemeinstellungen „Sprache & Text“ im Untermenü „Text“ eine Symbol- und Textersetzung aktivieren und eine eigene Tastenkombination festlegen.

Am PC gibt es bereits eine Tastenkombination: Shift + Alt Gr + ß. Auf neueren Tastaturen: Alt Gr + H.

Wir mögen das ẞ! Warum sollte dieser Buchstabe der Einzige bleiben, der nicht groß geschrieben werden darf… oder kann. Und in Überschriften die ausschließlich in Großbuchstaben geschrieben werden, ist das Schriftbild tatsächlich einheitlicher. Warum also nicht?

Bildnachweis:
grosses-und-kleines-eszett.jpg: CC 4.0 international / © 1234qwer1234qwer4 [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons

Johannes Brandt, Magister der Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturgeographie, studierte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Der Online-Redakteur ist bei contify für diverse Themenfelder verantwortlich und zeichnet sich durch seine gut recherchierten und aufschlussreichen Inhalte aus.
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