6 Stolpersteine für Schreib-Perfektionisten

Viele Kugelschreiber in Reihen gelegt. 6 Stolpersteine, die Perfektionisten beim Schreibprozess vermeiden sollten.
6 Stolpersteine, die Perfektionisten beim Schreibprozess vermeiden sollten.

Du willst geniale Idee finden, schnell und kreativ texten und Spaß dabei haben. Du weißt jedoch nie so richtig, ob Du die beste Idee gefunden hast und willst Deinen Content eigentlich schnell herunterschreiben. Und: Du willst am Ende nicht mehr stundenlang editieren. Kurz: Du bist ein Perfektionist. Perfektionismus heißt in der Regel jedoch auch: Du kommst nur langsam voran und verlierst oft den Spaß am Schreiben. Dabei beeinflusst Perfektionismus Deinen gesamten Schreibprozess: von der Themenfindung über Headline und Einleitung bis hin zur finalen Überarbeitung. Wir zeigen Dir, welche Stolpersteine Du als Perfektionist vermeiden solltest – und wie Du schneller Deine hohen Erwartungen an Dich und Deine Texte erfüllen kannst.

1. Du suchst immer die beste Idee

Als Schreiberling bist du ausgefallen kreativ. Dir kommen beim Brainstorming dutzende Ideen, die alle überzeugend erscheinen. Als Perfektionist willst Du aber nicht eine gute Idee verarbeiten. Du willst die beste Idee von allen nutzen, um daraus den besten Blogbeitrag, die beste Landing Page oder den besten Social-Media-Post zu schreiben. Damit fällst Du immer wieder über Stolperstein Nummer 1: Du suchst immer die beste Idee.

Die Lösung: Es reicht vollkommen aus, eine gute Idee zu verarbeiten und daraus etwas Besonderes zu machen.

Das heißt für Dich: Du brauchst nicht die beste Idee aus Deinem Ideenpool, sondern lediglich eine Idee, die Dich überzeugt. Andere Ideen können genauso gut erscheinen. Das sollte Dich nicht davon abhalten, eine der Ideen herauszupicken und damit loszulegen.

Um eine Idee zuverlässig auf ihr Potenzial zu überprüfen, kannst Du Dir zwei Fragen stellen:

  1. Wie hilft die Idee Deinen Lesern?

  2. Bist Du begeistert und motiviert, die Idee textlich umzusetzen?

Auf diese Weise stellst Du sicher, dass die Idee Deinen Lesern einen Mehrwert bringt und Du diese mitreißend präsentierst.

1000 Bücher und doch keine Quellen. Perfektionisten betreiben endlose Recherche.
Viele aufgeschlagene Bücher übereinandergelegt.

2. Du betreibst endlose Recherche

Hast Du Dich für ein Thema entschieden, willst Du alles dazu wissen. Dafür wälzt Du Bücher, Magazine und Webseiten, damit Dir kein Detail entgeht. Auch nach 100 Quellen hast Du nicht den Eindruck, wirklich jeden Blickwinkel zu Deinem Thema gelesen zu haben. Kurz: Du betreibst endlose Recherche – Dein zweiter Stolperstein als Perfektionist. Das kostet Dich viel Zeit und Nerven.

Die Lösung: Nimm von der Idee Abstand, einen nie dagewesenen Blogbeitrag, Guide oder Teaser zu schreiben.

Konzentriere Dich besser darauf, einen Text mit Mehrwert zu schreiben. Denn: Dein finaler Draft muss kein revolutionäres Stück Text sein. Es reicht vollkommen aus, wenn Du Dir die 5-6 Best Practices als Vorbild nimmst und daraus überzeugenden Content machst. Leser werden in der Regel ohnehin nicht unterscheiden können, ob Du den ultimativen oder schlichtweg einen guten, überzeugenden Text abgeliefert hast. Sei also damit zufrieden, einen erstklassigen Text zu produzieren, der zwar nicht die Welt neu erfindet, Lesern dennoch einen hohen Mehrwert bietet.

Um Deine Recherche einzugrenzen, halte Dich an diese drei wesentlichen Regeln:

  1. Grenze Dein Thema ein.

  2. Grenze Dein Thema auf den Bereich ein, in dem Du Dich am besten auskennst.

  3. Abhängig von der Textart lege vorher fest, wie viel Zeit Du Dir maximal für die Recherche nehmen willst.

Auf diese Weise recherchierst Du ausführlich und hast keine Zeit damit verschwendet, das Thema bis ins letzte Detail zu zerlegen.

3. Du kämpfst mit einer komplizierten Gliederung

Als Perfektionist willst Du, dass Deine Gliederung bereits jeden schlauen Wendepunkt, jedes Zwischenergebnis und jede wichtige Erkenntnis glasklar aufzeigt. Dafür schiebst Du Deine Gliederungspunkte immer wieder hin und her, korrigierst und überarbeitest. Irgendwie gelingt es Dir nicht, die wesentlichen Punkte übersichtlich auf eine Reihe zu bekommen.

Die Lösung: Halte Dich an einen bereits bewährten Aufbau. Mach keine Experimente.

Ansonsten gehst Du das Risiko ein, dass Dir Leser nicht folgen können. Nicht ohne Grund setzen selbst die besten Texter auf eine Gliederung, die jedem Leser vertraut ist.

Für viele klassische Textarten kannst Du Dich im Groben immer an diesen altbewährten Aufbau halten:

  1. Einleitung: Skizziere das Problem, vor dem Deine Leser stehen.

  2. Hauptteil: Erkläre in einzelnen Schritten, wie sie das Problem lösen können.

  3. Fazit: Entlasse Deine Leser mit weiterführenden Gedanken oder einer Frage, damit sie sich auch nach Ende des Textes weiter mit Deinem Ansatz beschäftigen.

Auf diese Weise musst Du Dich nicht darauf konzentrieren, eine nachvollziehbare Struktur zu entwerfen. Du kannst Dich stattdessen voll und ganz auf den Inhalt und Deine Argumentation fokussieren.

4. Du sitzt ewig am ersten Entwurf

Als Perfektionist willst Du, dass jeder Satz sitzt – und zwar vom ersten Entwurf an. Du willst, dass sich Dein erster Absatz sofort so liest, als ob ihn Ernest Hemingway oder Neil Patel persönlich geschrieben haben. Das Resultat: Du sitzt lange vor einem weißen Blatt Papier. Und: Du fängst immer mal wieder einen Satz an, nur um ihn nach wenigen Minuten wieder zu verwerfen. Das kostet Dich – erneut – eine Menge Zeit und Nerven.

Die Lösung: Vergiss den perfekten ersten Draft. Denn: Den gibt es nicht.

Schreibe stattdessen Deinen Text in einem Rutsch herunter und überarbeite diesen dann in einem zweiten und dritten (und je nach Text in einem vierten und fünften) Durchgang.

Du wirst sehen: Es kann befreiend sein, Deinen ersten Entwurf in kurzer Zeit aufs Papier zu bekommen, um dann in Ruhe die kleinen Schlenker und Ungenauigkeiten nach und nach auszubessern. Das Beste daran: Auf diese Weise stellst Du einen überzeugenderen Text auf die Beine als wenn Du versucht, bereits im ersten Durchgang jedes Wort perfekt zu setzen.

Damit Du die Bürde des perfekten ersten Entwurfs ablegen kannst, versuche Dich mal an folgendem Experiment:

  1. Schreibe oben auf Deine Seite: „Ugly Draft“ oder „Mieser Entwurf“.

  2. Schreibe einfach mal eine Seite reinen Unsinn herunter.

Auf diese Weise nimmst Du Dir die Angst, nicht jeden Satz so texten zu müssen, dass er einen Award gewinnt. Hast Du diese Übung ein paar Mal gemacht, kannst Du danach frei und sorgenlos Deinen ersten richtigen Draft heruntertexten.

Überarbeite konzentriert und stringent: Halte Dich nicht zu lange mit der Überarbeitung auf.
Ein englischer Text mit rot markierten Fehlern. Auf dem Blatt liegt ein roter Kugelschreiber.

5. Du hältst Dich ewig mit der Überarbeitung auf

Hast Du es geschafft, Deinen ersten Entwurf zu Papier zu bringen, steht die Überarbeitung an. Die macht Dir zu schaffen: Du weißt nicht, wo Du anfangen sollst, siehst dutzende Fehler und Ungenauigkeiten, die es aus der Welt zu schaffen gilt. Das alles hat einen großen Einfluss auf Deinen Work Flow. Du wirst unproduktiv und verlierst den Fokus auf das Potenzial Deiner Ideen.

Die Lösung: Konzentriere Dich im Chaos des ersten Entwurfs auf das, was Du bereits gut in Worte gefasst hast.

Orientiere Dich an den Punkten, die Dir bereits gut gelungen sind. Dabei hilft es, wenn Du Deine Überarbeitung in verschiedene Bereiche einteilst. Du kannst den Prozess beispielsweise einteilen in:

  • Verbesserung des Fokus
  • Ausführung von Ideen
  • Verbesserung des Schreibflusses
  • Einfügen von Beispielen

Du wirst merken: Mit jedem neuen Aspekt, dem Du Dich in Deiner Überarbeitung widmest, nimmt Dein Text mehr und mehr die Qualität an, die Du Dir vorstellst. Zum Abschluss drucke Deinen Text aus und lies ihn Dir laut vor. Auf diese Weise findest Du auch die letzten kleinen Fehler.

6. Du hast Angst vor der Veröffentlichung

Du hast den Text fertig und musst diesen nur noch veröffentlichen. Jetzt kommt die Stimme des Perfektionisten in Dir hervor. Du bist nicht zufrieden mit dem fertigen Text. Du glaubst, Deine Leser werden Deinen Text kaum beachten. Du bist selbst Dein größter Kritiker. Damit stehst Du vor Deinem letzten Stolperstein.

Die Lösung: Du hast so viel Zeit und Mühe in Deinen Text gesteckt, freu Dich auf das Feedback Deiner Leser.

Denn: Als Perfektionist kannst Du Dir sicher sein, dass Du einen Text auf die Beine gestellt hast, der besser ist als die meisten anderen am Markt. Solltest Du tatsächlich Kritik bekommen, lernst Du etwas für Deinen nächsten Text – so dass dieser wieder ein kleines bisschen besser wird.

Um Dir abschließend klar zu machen, dass Dein Text reif für die Veröffentlichung ist, halte Dir noch einmal vor Augen:

  1. Dein Text hat einen Mehrwert.

  2. Du hast Deinen Text bis ins kleinste Detail überprüft und jeden Fehler ausgemerzt.

  3. Du hast das Beste in der Dir verfügbaren Zeit herausgeholt.

Vermeide also die Stolpersteine, die Dein Perfektionismus naturgemäß hervorbringt und vertraue Deinen Fähigkeiten. So erstellst Du einen guten Text und sparst Dir Zeit und Nerven.

Matthias P. Frank verfügt dank seines Studiums der englischen und deutschen Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften über extensive Erfahrung mit Text und Translation gleichermaßen. Seit 2015 unterstützt er das Contify-Team als Junior Key Account Manager in beiden Sprachen. Neben dem Projektmanagement textet er auch regelmäßig selbst und verleiht sogar reinen SEO-Texten noch einen gewissen literarischen Touch.
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