Allegorie

Bei einer Allegorie handelt es sich um eines der klassischen Stilmittel der gehobenen Sprache. Das gilt nicht nur für das Deutsche, sondern prinzipiell für alle Sprachen, in denen eine irgendwie geartete Form von Literatur existiert. Der folgende Beitrag beantwortet die Frage nach der Definition dieses rhetorischen Mittels, liefert einige prägnante Beispiele und klärt ab, wie eine Allegorie auf den Rezipienten wirkt.

Definition

Wie auch bei der Metapher geht es bei der Allegorie um die Darstellung von Sprache in einer bildhaften Form. Grund ist die zu schwere Fassbarkeit des tatsächlich Gemeinten in direkten Worten. Und ebenfalls wie bei der Metapher bedient sich die Allegorie oft der Personifikation. Das lässt sich am besten mithilfe einiger Beispiele darstellen.

Beispiele

Mütterchen Russland: Mit dem Attribut Mütterchen möchte man in dieser für Russland typischen Bezeichnung die versorgende und schützende Rolle des eigenen Landes verkörpert sehen, die man von der Fürsorge einer Mutter gewohnt ist.

Justitia: Die römische Göttin mit den verbundenen Augen, der Waage in der einen und dem Schwert in der anderen Hand steht seit der Antike in vielen Kulturen Patin für das Sinnbild der Gerechtigkeit.

Der schwarze Tod: Diese mittelalterliche Bezeichnung für die Pest, die oft als Skelett in schwarzem Umhang, manchmal noch mit einer mannshohen Sense dargestellt wird, steht ebenfalls in vielen Kulturen für den ewigen Gleichmacher, der am Ende des Lebens steht.

Der Hunger: Meist verkörpert durch ein abgemagertes, bis auf Haut und Knochen verelendetes Lebewesen (Mensch wie Tier), dass zu schwach ist, um noch auf eigenen Beinen zu stehen. Der nahende Tod lässt sich nur erahnen.

Füllhorn: Das mit reichen Speisen edelster Güte gefüllte Horn eines Tieres steht seit der Antike in vielen Kulturen für Reichtum und Überfluss, wird dabei aber immer positiv konnotiert.

Info: Die Allegorie ist ebenso wie die Metapher ein Stilmittel, das spätestens seit der Antike bekannt ist. Sie wurde seit jeher zum selben Zweck eingesetzt, nämlich um komplexe Sachverhalte durch die sprachliche Darstellung eines Bildes umfassend greifbar zu machen. Ob Homer, Vergil, Petrarca, Dante oder auch Goethe: Die Allegorie hat seit beinahe 3.000 Jahren Hochkonjunktur. 

Wirkung

Doch wie wirkt nun der Gebrauch dieses speziellen rhetorischen Mittels auf die Rezipienten? Wie bei den meisten Stilmitteln bleibt die Interpretationshoheit auch bei Allegorien stets beim Betrachter. Natürlich werden sie ganz bewusst eingesetzt, doch wenn der Leser eines Militärromans im sogenannten „Spieß“ (einem leitenden Feldwebeldienstgrad) nicht die „Mutter der Kompanie“ erkennen möchte, dann kann man ihn nicht dazu zwingen. Fest steht jedoch, dass Allegorien einen Text inhaltlich und auf der bildhaften Ebene der gesprochenen Sprache bereichern können.

Riccardo Altieri

Riccardo Altieri studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik. Derzeit beendet er sein Masterstudium, um anschließend mit einer Dissertation im Fachbereich der Neuesten Geschichte zu beginnen. Der Autor und Herausgeber mehrerer Bücher ist seit Firmengründung als Korrektor fester Bestandteil des Teams und kümmert sich um das textbasierte Qualitätsmanagement.

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