Hauptsatz und Nebensatz

Woraus besteht der Hauptsatz? Wie lässt er sich vom Nebensatz unterscheiden? Welche Arten von Nebensätzen gibt es? All diese Fragen zu den beiden wichtigsten Bestandteilen eines deutschen Satzes werden hier beantwortet.

Der deutsche Hauptsatz:

Im Deutschen besteht der Hauptsatz aus drei obligatorischen Bestandteilen. Fehlt einer von ihnen, ist der Hauptsatz unvollständig. In diesem Fall spricht man von einer Ellipse. Aus diesen drei Teilen muss ein der deutschen Grammatik entsprechender, das heißt syntaktisch und im besten Fall auch semantisch korrekter, Hauptsatz bestehen:

  1. Subjekt
  2. Prädikat
  3. Objekt

Das Subjekt eines Satzes ist immer ein Substantiv (Nomen) oder ein substantiviertes Verb bzw. Adjektiv. Das Objekt ist der Bezugspunkt, der wiederum als Substantiv oder in einer vergleichbaren Form gebildet wird. Das Prädikat hingegen muss aus einem Verb bestehen, das durch Adverb oder beigeordnete Hilfsverben ergänzt werden kann. Ein basales Beispiel sähe wie folgt aus:

Kurzbeispiel:

„Oma kocht Suppe.“

Dieser Satz ist semantisch und syntaktisch völlig korrekt, besteht er doch aus den genannten drei Bestandteilen, die für einen vollständigen Satz im Deutschen notwendig sind. „Oma“ ist hierbei das Subjekt, die „Suppe“ das Objekt und „kocht“ ist das Prädikat. Doch wie sieht es mit einem komplexeren Beispiel aus?

Langbeispiel:

„Sonntags, wenn alle in der Kirche sind, kocht Oma als Vorspeise vor dem Hauptgang gerne eine delikate, würzige Suppe, auf die sich die ganze Familie freut.“

Auch in diesem Beispielsatz sind alle drei Bestandteile vorhanden, wenngleich es auf den ersten Blick so aussieht, als hätte der Satz deutlich mehr Inhalt. Das ist an sich auch richtig, aber alle anderen Wortarten (Adjektive, Adverbien, Pronomina, Präpositionen usw.) sind nicht notwendig, um den Satz syntaktisch zu vervollständigen. Auch hier gilt: „Oma“ = Subjekt, „Suppe“ = Objekt, „kocht“ = Prädikat.

Der deutsche Nebensatz:

Der Artikel dieser Formulierung lässt erahnen, es könnte nur einen Nebensatz geben, der in der deutschen Grammatik verankert ist. Doch weit gefehlt. Unter einer Vielzahl von Nebensätzen sticht keiner besonders hervor. Sie seien im Folgenden aufgelistet:

  • Subjekt- und Objektsätze
  • Adverbialsätze
  • Attributsätze

Subjekt- und Objektsätze:

Diese Sonderform des Nebensatzes steht für eine Konstruktion, die entweder aus einer Subjunktion (dass, ob etc.) oder einem Fragepronomen (wer, wie, wo etc.) und einem Prädikat besteht. Häufig wird mit dem Pronomen es operiert. Zwei Beispiele verdeutlichen diese Spezialformen:

1.: Subjektsatz:

Es ist niemals gewiss, ob alle Menschen den Weltfrieden einem Krieg vorziehen.“

2.: Objektsatz:

Jungs glauben gerne, ihre Mannschaft sei die beste.“

Adverbialsätze:

Diese häufigste Form der Nebensätze in der deutschen Sprache wird immer durch eine Konjunktion oder eine Subjunktion eingeleitet und unterscheidet sich in der Bedeutungsebene:

3.: Adversativsatz (Gegenüberstellung):

Während man samstags und sonntags nicht unbedingt arbeitet, gelten alle anderen Tage als Werktage.“

4.: Finalsatz (Absicht):

Damit die Grammatik deutscher Nebensätze verständlicher wird, gibt es diesen Blog.“

5.: Instrumentalsatz (Mittel):

„Ich esse altes Brot, indem ich es in Milch tunke.“

6.: Kausalsatz (Grund):

Weil ich davon Magenschmerzen bekomme, verzichte ich auf Milchprodukte.“

7.: Konditionalsatz (Bedingung):

Wenn der Fußballclub heute gewinnt, dreh’ ich total durch.“

8.: Konsekutivsatz (Folge):

„Ich mache täglich Sport, damit ich viel abnehme.“

9.: Konzessivsatz (Einschränkung):

Obwohl ich keinen Hunger habe, esse ich manchmal, ohne nachzudenken.“

10.: Lokalsatz (Ort):

„Dort, wo es schneit, hat es unter 0° Celsius.“

11.: Modalsatz (Art und Weise):

Indem ich auf Kohlenhydrate verzichte, kann ich noch schneller abnehmen.“

12.: Temporalsatz (Zeit):

Als ich zuhause ankam, musste ich erst einmal ein heißes Bad nehmen.“

Attributsätze:

Ein Attributsatz wird ebenfalls durch ein bestimmtes Wort eingeleitet. Das kann entweder ein Fragewort sein, aber auch ein Relativpronomen oder ein Relativadverb. Hier fragt man also nach „welcher, welche, welches“, um den Attributsatz zu identifizieren.

13.:

„Das Haus, das letztes Jahr schwarz gestrichen wurde, musste auf Anordnung des Stadtbauamts wieder weiß gestrichen werden.“

Frage: „Welches Haus?“

14.:

„Die deutsche Stadt, in der der Bevölkerungsanteil zum größten Teil aus Studentinnen und Studenten besteht, ist bestimmt Eichstätt.“

Frage: „Welche Stadt?“

Dabei ist all diesen Teilsätzen gemein, dass sie von einem Hauptsatz abhängig sind, also niemals allein stehen können. In Hypotaxen, also komplexen Satzgefügen, kann es aber auch sein, dass ein Nebensatz niederer Ordnung von einem Nebensatz höherer Ordnung abhängt.

Hinweis: Neben all den genannten Nebensatzarten, die man auch als „Finitsätze“ bezeichnet, gibt es auch noch „Infinitsätze“ – das sind nebensatzwertige Infinitivgruppen – und „Partizipialsätze“, also nebensatzwertige Partizipphrasen. Beide sehen aus wie ein vollwertiger Nebensatz, sind es jedoch nicht.

Merkhilfe – Hauptsatz vs. Nebensatz:

Wenn ein deutscher Satz aus Subjekt, Prädikat und Objekt besteht, handelt es sich immer um einen Hauptsatz. Wenn das nicht zutrifft, muss man in den meisten Fällen das einleitende Wort betrachten, um herauszufinden, um welche Art von Nebensatz es sich handelt. Mit diesen Tipps sollte es also kein Problem mehr sein, einen Hauptsatz bzw. Nebensatz zu erkennen.

Riccardo Altieri

Riccardo Altieri studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik. Derzeit beendet er sein Masterstudium, um anschließend mit einer Dissertation im Fachbereich der Neuesten Geschichte zu beginnen. Der Autor und Herausgeber mehrerer Bücher ist seit Firmengründung als Korrektor fester Bestandteil des Teams und kümmert sich um das textbasierte Qualitätsmanagement.

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