6 Regeln für journalistische Texte

Ein aufgefächerter Stapel Zeitschriften. 5 Regeln, die jeder journalistische Text einhalten sollte.

6 Regeln, die jeder journalistische Text einhalten sollte.

Jede journalistische Textform bringt ihre ganz eigenen Anforderungen mit. Gleichzeitig verlangen alle Gattungen von Dir, dass Du Lesern Deine Kernbotschaft auf den Punkt und verständlich vermittelst. Und: Abseits der Textformen Nachricht, Kurzmeldung und Bericht solltest Du sie mit Deinen Worten auch unterhalten. Dazu musst Du nicht unbedingt witzig rüberkommen, sondern Usern schlichtweg ein angenehmes Leseerlebnis bieten. Wir zeigen Dir heute, wie Du Deine Artikel verständlich und unterhaltsam gestaltest – und so die grundlegenden Regeln von journalistischen Texten erfüllst.

1. Verwende nur einen Gedanken pro Satz

Zu viele Ideen in einem Satz verlangen von Lesern zu viel Denkarbeit – und machen Deinen Text unnötig kompliziert. Versuche daher, in jedem Satz nur einen Gedanken unterzubringen. Auf diese Weise stellst Du sicher, dass User Dir stets folgen können – und Du sie so von Deinem Ansatz überzeugen kannst.

Achte jedoch darauf, dass Du dabei nicht in einen Stakkato-Stil verfällst. Zu viele kurze Sätze hintereinander machen Deinen Text schlecht lesbar. Damit verstößt Du gegen eine der grundlegenden Vorgaben journalistischer Texte. Setze daher besser auf einen Wechsel aus kurzen und mittellangen Sätzen. Diese machen Deinen Text abwechslungsreich. Vermeide es außerdem, immer denselben Satzaufbau „Subjekt-Prädikat-Objekt“ zu verwenden. Auch darunter leidet die Lesbarkeit Deines Textes. Bring daher auch hier Variation ein, um Deinen Text kurzweilig zu halten.

Verwende Wörter, die User nicht im Duden nachschlagen müssen.
Ein Wörterbuch, das bei dem Wort „Focus“ aufgeschlagen ist.

2. Vermeide themenfremde Fachwörter

Ob Essay, Reportage, Kritik oder Kolumne: Du willst mit Deinem Text Leser von einer Idee überzeugen. Setze daher stets auf eine einfache und verständliche Sprache, bei der User nicht ständig zum Wörterbuch greifen müssen. Fachwörter und Anglizismen, die nichts mit Deinem Thema zu tun haben, sollten daher außen vor bleiben.

Relevante Fachwörter dagegen dürfen allerdings Teil Deines Textes sein.

Leser, die sich einem Fachartikel widmen, sind in der Regel mit den entscheidenden Begriffen vertraut. Verzichtest Du an den wichtigen Stellen auf Fachsprache, kann das für sie verwirrend und damit weniger verständlich sein.

Für die Praxis heißt das: Versuche nicht, Leser mit Deiner Sprache und Deinem Fachwissen zu beeindrucken. Stattdessen suche Dir die Wörter heraus, die Deine Leser Deinen Inhalt verstehen lassen. Nur dann hast Du gute Chancen, sie von Deinen Ideen und Gedanken zu überzeugen.

3. Vermeide überflüssige Wörter

Während Werbetexte und Blogbeiträge gerne mal Umgangssprache zum Einsatz bringen, schlichtweg als Stilmittel oder um einen inhaltlichen Punkt besonders hervorzuheben, solltest Du bei journalistischen Texten in der Regel darauf verzichten. Leitartikel, Feature und Analyse müssen einem hohen Standard genügen, der keinen Platz für bestimmte flapsige Begriffe oder leere Worthülsen hat. Vermeide es daher, Wörter wie

  • irgendwie,
  • eigentlich und
  • man

zu verwenden. Darüber hinaus solltest Du auch auf Substantive mit den Endungen

  • „-ung“,
  • „-heit“ und
  • „-keit“

verzichten. Leser bringen diese eher mit einer leicht negativen Konnotation in Verbindung. Und zu guter Letzt: Sei bei Zeitangaben sprachlich präzise, indem Du zum Beispiel statt „letztes Jahr“ auf „vergangenes Jahr“ setzt.

4. Sei konkret

Allgemeine Inhalte machen Deinen Text unpräzise und alles andere als unterhaltsam für die Leser. Essay, Glosse und Portrait werden so zu einem nichtssagenden Brei, der User wenig überzeugt. Werde in Deinen Texten daher stets konkret. Das heißt: Verwende Beispiele, um Deine Artikel lebendig zu machen.

Leser können sich Deine Argumentation und Beschreibung besser vorstellen, wenn Du ihnen Greifbares und Anschauliches bietest. Schreibe also „Äpfel und Bananen“ statt „Obst“ und setze auf Ziffern statt auf ausgeschriebene Zahlen (z. B. hundert Prozent <-> 100 Prozent).

5. Variiere Deinen Sprachstil

Dank des schnelllebigen Webs haben User heute eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Sie erwarten daher auch von Deinen journalistischen Texten, dass Du sie mit jedem Satz informierst und unterhältst. Entscheidend ist dabei, dass Du Deinen Sprachstil innerhalb Deines Textes variierst. Du kannst dazu zum Beispiel

  • Perspektive,
  • Tempo und
  • Sprachduktus

variieren. Bei einer Reportage könntest dafür beispielsweise sprachliche Nahaufnahmen und Weitwinkel, ausführliche Landschaftsbeschreibungen und hektische Szenen sowie blumige Ausführungen und nüchterne Sprache abwechseln. Deine Herausforderung dabei: Trotz dieser Abwechslung einen grundlegenden Ton finden, der Dich und Deinen Text auszeichnet.

Du solltest daher zum Bespiel nicht mit einer flapsigen Sprache in einen Text einsteigen, um danach nur noch mit sachlichen Fakten aufzuwarten. Auf diese Weise gelingt es Dir nicht, einen stimmigen Text zu schaffen. Generell gilt:

Der erste Satz Deines Textes gibt den Stil für alle folgenden Sätze vor.

Du solltest daher sicherstellen, dass bereits der erste Satz Deinen Ton auf den Punkt trifft. Ausgenommen davon sind Zitate von Menschen und Protagonisten. Diese gibst Du natürlich so wieder, wie sie gesagt wurden.

6. Verwende Synonyme

Du kennst das wahrscheinlich aus den Korrekturschleifen für Deine Texte: Dir fallen Wörter auf, die Du immer wieder wiederholst. Das schmälert die sprachliche Qualität Deiner Artikel. Darauf solltest Du auch bei journalistischen Texten achten. Bring daher immer wieder Synonyme zum Einsatz, um Deinen Text sprachlich abwechslungsreich zu gestalten.

Wichtig ist dabei jedoch, dass Du nur dann ein Synonym verwendest, wenn Du damit nicht den Sinn Deiner Aussage verfälscht. Du kannst daher zum Beispiel nicht die Begriffe „murmeln“ oder „nuscheln“ verwenden, wenn Du eigentlich nur „sagen“ unterbringen willst. Das heißt für Dich: Findest Du keine brauchbare Alternative, wiederhole lieber das bereits vorher verwendete Wort. Passiert Dir das nicht allzu oft, wird es Lesern gar nicht erst auffallen.

Journalistische Texte als echte Herausforderung

Diese 6 Regeln haben Dir gezeigt, wie Du journalistische Texte informativ und unterhaltsam gestalten kannst. Auf diese Weise wirst Du den Erwartungen an Dich selbst und denen Deiner Leser gerecht. Dass diese Regeln nicht immer ganz einfach umzusetzen sind, haben die Ausnahmen der Regeln gezeigt. Sie machen journalistische Texte zu einer echten Herausforderung. Diese wirst Du mit der Zeit jedoch problemlos meistern. Denn: Mit ausreichend Übung und Erfahrung lernst Du, einen stimmigen Text aufzusetzen, der Regeln und Ausnahmen gekonnt vereint.

Michael Christl hat Politikwissenschaften, Kriminologie und Soziologie in Würzburg studiert. Schon früh entwickelte er ein Gespür für Sprache. Nach seinem Abschluss als Magister arbeitete er zunächst als freischaffender Texter. Seit 2014 gehört Michael als Senior Key Account Manager fest zum contify-Team. Dabei ist er sowohl für Projekte in deutscher als auch in französischer Sprache zuständig.
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