Infinitiv mit zu

Der Infinitiv (Präsens) ist im Deutschen die Grundform eines Verbs und endet immer auf -n oder -en. Auf dieser Basis werden durch die sogenannte Beugung alle anderen Gegenwarts-, Vergangenheits- und Zukunftsformen gebildet. Eine besondere Form des Infinitivs ist die Kombination mit zu. Hierbei gibt es einige Regeln der deutschen Rechtschreibung zu beachten, die im Folgenden beschrieben werden.

Zusammen- oder Getrenntschreibung

Je nachdem, welche Ursprungsform der jeweilige Infinitiv aufweist, wird die „zu + Infinitiv-Konstruktion“ getrennt- oder zusammengeschrieben. Doch welche Verbformen gibt es hier?

Infinitive, die aus zwei Wortbestandteilen bestehen und immer zusammengeschrieben werden

Einige Tätigkeitsworte enthalten in ihrer Grundform zwei Bestandteile, nämlich ein Verb und ein beigeordnetes Präfix, das den Infinitiv näher klassifiziert. Dies sind beispielsweise:

  • anfangen
  • wegwerfen
  • hinkommen
  • aufstehen
  • wiedersehen
  • niederlegen

Diese Verben werden in ihrer erweiterten Form mit zu immer zusammengeschrieben. Die Tabelle hieße dann also wie folgt:

  • anzufangen
  • wegzuwerfen
  • hinzukommen
  • aufzustehen
  • wiederzusehen
  • niederzulegen

Infinitive, die in erweiterter Form immer getrennt geschrieben werden müssen

Eine Reihe von Infinitiven besteht nicht aus diesen beiden Bestandteilen, deshalb werden sie in erweiterter Form getrennt geschrieben. Einige Beispiele können diese Eigenart der deutschen Rechtschreibung veranschaulichen:

  • treffen -> zu treffen
  • gehen -> zu gehen
  • essen -> zu essen
  • fallen -> zu fallen
  • verdienen -> zu verdienen
  • arbeiten -> zu arbeiten

Info: Ein Verb kann entweder infinit oder finit sein. Manche Verben bestehen schon in ihrer Grundform aus einem Adverb und einem infiniten Verb, da der eine Part nicht ohne den anderen auskommt. Die hierbei genutzten Hilfsverben speisen sich oft aus einer Form von sein.

Infinitive, die in erweiterter Form aus drei Bestandteilen bestehen

Wird ein Verb in seiner Grundform allerdings als zwei getrennte Bestandteile geschrieben – also als Kombination aus Adverb beziehungsweise Substantiv und infinitem Verb – so ist das zu im erweiterten Infinitiv noch als dritter Bestandteil hinzuzufügen. Dies könnte wie folgt aussehen:

  • pünktlich sein -> pünktlich zu sein
  • Rücksicht nehmen -> Rücksicht zu nehmen
  • lebendig sein -> lebendig zu sein

Wie verhält es sich mit anderen Infinitivformen der deutschen Sprache?

Natürlich steht ein Verb nicht nur im Infinitiv Präsens. Eine Reihe von anderen Infinitivformen erschwert die Frage nach der korrekten Schreibweise zusehends. Am Beispiel des Verbs sagen wird dies im Folgenden veranschaulicht:

Inf. Präsens Aktiv -> sagen -> zu sagen

Inf. Perfekt Aktiv -> gesagt haben -> gesagt zu haben

Inf. Futur I Aktiv -> sagen werden -> sagen zu werden

Inf. Futur II Aktiv -> gesagt haben werden -> gesagt haben zu werden

Inf. Präsens Passiv -> gesagt werden/sein -> gesagt zu werden/sein

Inf. Perfekt Passiv -> gesagt worden/gewesen sein -> gesagt worden/gewesen zu sein

Tipp: Ganz gleich, um welche Form des Infinitivs es sich handelt, wenn die erweiterte Form gebildet werden soll, muss das Wort zu immer an vorletzter Stelle der Verbphrase stehen. 

Ausnahmen:

Gibt es Dinge zu beachten, die sich bei der Frage nach einem Infinitiv mit zu ergeben könnten? In der Tat. Wenn ein Verb in seiner Grundform mit einem sogenannten Modalverb erweitert wird, entfällt das Wort zu immer. Diese lauten: brauchen, können, dürfen, wollen, sollen, müssen und mögen.

Beispiel für das Verb gewinnen:

Eigentlich würde das Wort gewinnen im erweiterten Infinitiv Präsens zu gewinnen heißen. Wird der erweiterte Infinitiv allerdings um das Modalverb können ergänzt, entfällt das zu:

„Die Kickers können dieses Spiel noch gewinnen.“

Vergleichbares gilt für die Verben des Empfindens (fühlen, hören, sehen, spüren), ebenso für die Bewegungsverben (gehen, kommen) und die Verben der Ortsangabe (hängen, liegen, stehen usw.)

Riccardo Altieri

Riccardo Altieri studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik. Derzeit beendet er sein Masterstudium, um anschließend mit einer Dissertation im Fachbereich der Neuesten Geschichte zu beginnen. Der Autor und Herausgeber mehrerer Bücher ist seit Firmengründung als Korrektor fester Bestandteil des Teams und kümmert sich um das textbasierte Qualitätsmanagement.

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