10 beliebte Rechtschreibfehler

10 beliebte Rechtschreibfehler

Ganz gleich, ob man ein Buch liest, einen Text im Internet überfliegt oder durch ein soziales Netzwerk scrollt: Rechtschreibfehler finden sich immer und überall. Dieser Blogbeitrag widmet sich exakt diesen Kleinigkeiten in der deutschen Sprache, die einen an sich vielleicht guten Text unprofessionell und wenig überzeugend machen. Dabei geht es nicht um das Vorhalten des moralischen Spiegels, sondern darum, zehn beliebte Rechtschreibfehler der Deutschen zu identifizieren, zu benennen und dann Tipps zu geben, wie man sie vermeiden kann. Los geht’s…

Vorabinformation: Werden im folgenden Blogbeitrag Begriffe verwendet, die im Deutschen eigentlich nicht existierten, dann sind diese durch ein Sternchen vor dem *Wort gekennzeichnet. Buchstaben werden in <spitzen Klammern> wiedergegeben.

I. Das „Deppenapostroph“

Die Tatsache, dass Word diesen Begriff rot unterringelt, sagt mehr über die Deutschlandabteilung bei Microsoft als über den Autor aus. Aber zum Thema Komposita und Trennungsstriche kommen wir noch.

Im Englischen gibt es eine Reihe von Wörtern, bei denen ein Apostroph gesetzt werden muss. Ein allseits bekanntes Beispiel ist der Name der wohl größten Fastfoodkette weltweit: McDonald’s. Da es sich hierbei um einen Genitiv der Besitzanzeige handelt – sprich „das Restaurant des McDonald“ – wird im Englischen völlig zurecht ein Genitiv-S durch das hochgestellte Strichlein vom Namen abgetrennt.

Im Deutschen ist das aber falsch. Ganz generell gibt es nur wenige Situationen, in denen ein Wort im Deutschen mit einem Apostroph beschlossen wird, noch seltener sind wirkliche Anhängepartikel, die mit dem hochgestellten Strich getrennt werden.

Falsch

Richtig

*Mama’s Auto

Mamas Auto

*Oma’s Kuchen

Omas Kuchen

*Papa’s Hausschuhe

Papas Hausschuhe

*Opa’s Zahnprothese

Opas Zahnprothese

Wo sind die Zeichen erlaubt?

Es gibt eigentlich nur zwei Situationen, wo in der deutschen Sprache ein Apostroph gesetzt wird.

1. Bei Namen, die auf -ce, -s, -ss, -ß, -tz, -x oder -z enden:

Beispiele:

  • Max’ PC ist nachts immer angeschaltet.
  • Tina ist Hans’ Freundin.
  • Max’ und Moritz’ beste Freundinnen sind Hanni und Nanni. 

Durch den Apostroph wird das Genitiv-S ersetzt, um eine antiquierte Form des Genitivs zu umgehen. Früher hätte man gesagt „Maxens PC ist nachts immer ausgeschaltet“. Heute lässt man diese altbackene Form schon deshalb weg, weil sie aus einer Zeit kommt, in der es eben noch keine Computer gab.

2. Bei der Zuschreibung einer bestimmten Eigenschaft:

Beispiele:

  • Das Ohm’sche Gesetz gehört zum Lehrplan aller 16 Bundesländer.
  • Die Münchner Räterepublik war eine Eisner’sche Vision.
  • Die Obama’sche Gesundheitsreform wurde von allen Republikanern abgelehnt.

Ausnahme: Natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Dazu zählen vor allem Fremdwörter, also Begriffe, die nicht der deutschen Sprache entstammten, sondern aus anderen Sprachen entlehnt sind, wodurch sie sich der Rechtschreibung hierzulande nicht unterwerfen müssen. Als Beispiel sei hier die französische Zustimmungsformel „d’accord“ genannt. Im Französischen ist der Apostroph ohnehin viel heimischer.

II. Das Dilemma mit „das“ und „dass“

Viele von uns kennen diesen populären Fehler, weil wir ihn selbst schon einmal gemacht haben. Er findet sich sogar in wissenschaftlichen Büchern renommierter Professoren. Dabei gibt es einen Trick, der in fast allen deutschsprachigen Gebieten gültig ist, mit dem man sich beinahe immer sicher sein kann.

Der Dialekt-Trick:

So ziemlich jeder, ob aus einem der vielen Gebiete Deutschlands, Österreichs oder der deutschsprachigen Schweiz kommend, kennt einen Dialekt oder spricht ihn sogar selbst. Dort findet sich häufig eine abgewandelte Form für den Artikel „das“, jedoch entweder keine oder eine andersartige für die Subjunktion „dass“. Mithilfe dreier Beispiele soll diesem Problem beigekommen werden:

  1. [Standarddeutsch]: Das finde ich ja lustig, dass Du das auch noch nicht
    [Bayerisch]: Des find i ja lustich, dass Du des a no net gwusst hast.
    Hier bleibt „dass“ also gleich, während „das“ zu „*des“ wird. 
  2. [Standarddeutsch]: Das amerikanische Bildungssystem sorgt dafür, dass nur Reiche wirklich Erfolg haben können.
    [Berlinerisch]: Dit ameikansche Bildungssystem soigt dafüa, dat nua Reische wirklich Erfolg haben können.
    In diesem Fall wird aus „das“ ein „*dit“, während „dass“ durch „*dat“ wiedergegeben wird.
  3. [Standarddeutsch]: Dass ein Pfannkuchen mit Butter besser schmeckt, das weiß doch jedes Kind.
    [Fränkisch]: Dass a Pfannkung mit Budda bessa schmeggd, des waß doch jeds Kind.
    Hier bleibt „dass“ wiederum unverändert, während aus „das“ ein „*des“ wird.

III. Bindestrich vs. Gedankenstrich

Auch hier handelt es sich um einen Fehler, der selbst in hochwertigen Büchern vorkommt. Oft liegt es nicht einmal am Unvermögen des Autors, sondern an der automatischen Korrektur des Textprogrammes.

Tipp: Es ist immer anzuraten, die Autokorrektur auszuschalten oder – falls man sie gerne benutzt – sehr genau darauf zu achten, was das Programm ausbessert. Auch rote Unterringelungen sind kein Indiz für einen echten Fehler, manchmal weiß der Computer es einfach nicht besser. Hier gilt die alte Faustregel: Jeder PC ist nur so klug, wie der Mensch, der ihn programmiert hat.

Was soll nun der Unterschied dieser beiden Querbalken sein? Der eine heißt Trennungsstrich oder Bindestrich, weil er etwas voneinander trennt, beispielsweise ein Wort am Zeilenende, oder verbindet. Er ist etwas kürzer als der Gedankenstrich und kommt eigentlich auch häufiger vor. Seine Fachbezeichnung lautet: Viertelgeviertstrich. Der längere Gedankenstrich heißt demnach Halbgeviertstrich. Dabei handelt es sich also lediglich um Längenangaben und ihr Verhältnis zum sogenannten Geviertstrich, der so aussieht: ―

Name

Satzzeichen

Geviertstrich

Halbgeviertstrich

Viertelgeviertstrich

Beispiele:

  1. Trennungsstriche (Viertelgeviertstrich)
    Möchte ich meine Zeile an einer ganz bestimmten Position be-
    enden, muss ich manchmal einen Trennungsstrich setzen.
  2. Bindestriche (Viertelgeviertstrich)
    Bei Bindestrichen handelt es sich um dasselbe Phänomen in einer anders-aber-gleich-Konstellation.Beide Striche sind gleich kurz. Anders verhält es sich mit dem Gedankenstrich:
  3. Gedankenstriche (Halbgeviertstrich)
    Wie der Name schon sagt, möchten Gedankenstriche einen
    Satzbestandteil – in der Fachsprache auch „Parenthese“ genannt – vom übrigen Satzgefüge abtrennen.

Hinweis: Im Deutschen gibt es eigentlich keinen Geviertstrich (―). Dieser wird vor allem im Englischen verwendet, beispielsweise als Ersatz für das Wörtchen „bis“ bei Seitenzahlangaben: 4―11. Auch in einer Auflistung kann der Geviertstrich vorkommen. Dort ersetzt er das deutsche Zeichen für „Identisch“, also die beiden Gänsefüßchen: „

Beliebte Fehler:

Falsch: *Die Wirtschaft– und Rechtklausur war ja sehr schwer.
Richig: Die Wirtschaft- und Rechtklausur war ja sehr schwer. 

Falsch: *In der Zeit von 1914 – 1918 tobte in Europa der Erste Weltkrieg.
Richtig: In der Zeit von 1914-1918 tobte in Europa der Erste Weltkrieg. 

Falsch: *Als Hausaufgabe lesen die Schüler im „Erdbeerpflücker“ von S. 15–20.
Richtig: Als Hausaufgabe lesen die Schüler im „Erdbeerpflücker“ von S. 15-20.

History-Hinweis: Im Deutschen gibt es mittlerweile eine Reihe von sogenannten Komposita, also Wörtern, die aus mehreren Bestandteilen bestehen, die Dank des Einflusses der englischen Sprache plötzlich mit Bindestrichen voneinander getrennt werden. Ein einfaches Beispiel ist die „Brandschutzverordnung“, die heute gerne „Brandschutz-Verordnung“ geschrieben wird. Word oder andere Textverarbeitungsprogramme akzeptieren beides. Das Ganze führt jedoch schon so weit, dass eigentlich richtig, das heißt zusammen geschriebene Komposita unterringelt werden, weil Word gerne die Bindestriche haben möchte. Wie eingangs erwähnt, schreibt man „Deppenapostroph“ und „Fastfoodkette“ weiterhin zusammen, auch wenn der Computer Deppen-Apostroph oder Fastfood-Kette bevorzugt. Wer ist jetzt der Depp?

IV. Falsche Schreibweisen

Sehr beliebt sind im Deutschen auch Wörter, die in einer parallelen, jedoch falschen Schreibweise existieren. Sie wirken manchmal verständlich, sind aber schlicht nicht korrekt. Einige Beispiele sollen verdeutlichen, worum es hier geht:

  1. Die zweite Person Plural Präteritum von „sein“ schreibt sich mit <t> am Ende.Falsch: *Ward ihr am Wochenende im Kino?
    Richtig: Wart ihr am Wochenende im Kino?
    Besonders tückisch: Manchmal unterringelt das Textprogramm die falsche Form noch nicht einmal als Fehler, was nur noch mehr Verwirrung stiftet.
  2. Die zweite Person Plural Präsens von „sein“ schreibt sich mit <d> am Ende.Falsch: *Seit ihr denn noch zu retten?
    Richtig: Seid ihr denn noch zu retten?
    Auch hier gilt: Aufgrund der schlechten Grammatikkorrektur der deutschsprachigen Versionen amerikanischer Texteditoren wird das Wort meist nicht unterringelt, denn es gibt ja auch das Wörtchen „seit“ im Deutschen, allerdings stünde es an einer ganz anderen Stelle und wäre in diesem Beispiel schlicht syntaktisch falsch gesetzt.
  3. Wenn jemand gestorben ist, dann ist er „tot“ und nicht „tod“. Nur den Tod als Substantiv schreibt man am Ende mit <d>.
  4. Auch das Wort „Standard“ wird oft und gerne mit <t> geschrieben, was schlicht falsch ist. Nur, wenn nach dem <t> noch ein <e> folgt, ist es korrekt, da es sich dann um eine Standarte, also eine Flagge handelt. Semantisch ist das natürlich etwas völlig anderes.

Hinweis: In der deutschen Sprachwissenschaft spricht man bei dem Phänomen, dass sich ein Wort „Tod“ schreibt, aber *Tot aus gesprochen wird, von der sogenannten Auslautverhärtung. Sie führt dazu, dass sich Menschen in der geschriebenen Form oft unsicher sind. Besonders häufig trifft das die Buchstaben <d> und <t>, aber auch <b>/<p>, <g>/<k> oder <g>/<ch> auf.

V. Die Vergleichspartikel „als“ und „wie“

Ein beliebter dialektaler Fehler ist die Gleichsetzung der beiden Vergleichspartikel „als“ und „wie“. Dabei gibt es eine einfache Faustregel, mit der man sich hier in Zukunft immer sich sein kann. Wird das zu Vergleichende mit einem Positiv (also der ungesteigerten Form) gleichgesetzt, verwendet man „wie“, wird hingegen mithilfe eines Komparativs (einer gesteigerten Form) ein Unterschied dargestellt, verwendet man „als“.

„als“

„wie“

Ist etwas anders „als“ das Vergleichsobjekt, dann verwendet man die Vergleichspartikel „als“.

Ist etwas genauso „wie“ das Vergleichsobjekt, dann verwendet man die Vergleichspartikel „wie“.

In beiden Fällen gilt jedoch gleichermaßen: Vor die Vergleichspartikel (wie/als) kommt kein Komma. Eine kurze Vergleichstabelle zeigt auf einen Blick, wo man welche Partikel verwenden muss:

schöner als

genauso schön wie

größer als

genauso groß wie

kleiner als

genauso klein wie

besser als

genauso gut wie

stärker als

genauso stark wie

schwächer als

genauso schwach wie

sauberer als

genauso sauber wie

schmutziger als

genauso schmutzig wie

VI. Leerzeichen zu viel oder zu wenig

In der deutschen Grammatik gibt es strikte Regeln für das Setzen von Leerzeichen. Oftmals findet man in modernen Texten jedoch eine konsequente Schreibweise mit und/oder ohne Leerzeichen, die diesen Regeln der deutschen Rechtschreibung schlicht widersprechen. Eine Reihe bekannter Beispiele verdeutlicht auf einen Blick, wo hier die Fehler gemacht werden, und zeigt dabei auf, wie es nach der DIN 5008 – der Schreib- und Gestaltungsregel für die Textverarbeitung – vorgeschrieben ist.

Falsch

Richtig

Erläuterung

z.B.

S.5

z. B.

S. 5

Zwischen Abkürzungspunkte und das Folgende gehört immer ein Leerzeichen.

S. 1 – 4

1914 – 1918

S. 1-4

1914-1918

Im Deutschen gehört vor und nach einen Bindestrich (Viertelgeviertstrich) kein Leerzeichen.

Text–Einschub–Text

Text – Einschub – Text

Vor und nach Gedankenstriche (Halbgeviertstriche) gehört im Deutschen immer ein Leerzeichen.

Autor/ Autor 2

Ort/ Ort 2/ Ort 3

Autor/Autor 2

Ort/Ort 2/Ort 3

 

ODER

 

Autor / Autor 2

Ort / Ort 2 / Ort 3

Vor und nach Schrägstrichen in Aufzählungen kommen entweder Leerzeichen oder keine Leerzeichen. Es nur an einer Stelle zu setzen, ist in jedem Fall falsch und entstammt – wie so oft – dem Englischen.

Text (Inhalt) , Text

Text (Inhalt), Text

Folgen mehrere Satzzeichen aufeinander, steht dazwischen kein Leerzeichen.

Quelle. 12

H2 O

Quelle.12

H2O

Hochgestellte und tiefgestellte Zahlen schließen stets ohne Leerzeichen an das Dazugehörige an.

Hinweis: Wer in der Schule, in der Uni oder am Arbeitsplatz glänzen möchte, spricht am besten vom „Leerschritt“, denn eigentlich ist ein Leerzeichen ja gar kein richtiges Satzzeichen, sondern vielmehr die Auslassung irgendeines Zeichens.

VII. Zusammen oder getrennt? Oder beides?

Die neue Rechtschreibung hat bestimmte Formen des Deutschen, die früher zusammen geschrieben wurden, aufgelockert, so dass man sie heute auch getrennt schreiben kann. In manchen Fällen geht sogar beides, das sollte man aber immer im Detail betrachten. Eine Tabelle mit alten und neuen Schreibweisen bzw. den Optionen, in denen beides gültig ist, kann hier hilfreich sein:

alt

neu

beides erlaubt

sodass

so dass

ja

aufeinanderlegen

aufeinander legen

ja

imstande sein

im Stande sein

ja

maßhalten

Maß halten

ja

richtigstellen/richtig stellen

richtig stellen

nein

wiedersehen/wieder sehen

wieder sehen

nein

sogenannt/so genannt

so genannt

nein

Info: Man könnte sich also merken: Immer dann, wenn die alte Rechtschreibung eine doppelte Nutzung erlaubt hat, ist in der neuen Rechtschreibung nur noch die getrennte Schreibweise zulässig. Wurde das Wort zuvor immer aus einem Kompositum gebildet, ist heute auch die getrennte Schreibweise gestattet. Speziell dieser Teil der Reform wird sich noch Jahrzehnte lang nicht durchsetzen, weil sich ältere Generationen aufgrund mangelnder Schulprägung nie der neuen Rechtschreibung in solchem Maße zuwenden mussten, dass diese zugegeben recht wahllosen Bestimmungen für sinnhaltig befunden werden konnten.

VIII. Groß- und Kleinschreibung

Eine ganze Reihe von Wörtern wird im Deutschen seit der Einführung der aktuellen Rechtschreibung nicht mehr so wie früher geschrieben. Durch die zeitweise Überlappung beider Rechtschreibregeln kommt es heute bisweilen zu zweifelhaften Formulierungen, die man weder früher noch heute so geschrieben hat beziehungsweise schreibt, womit im Folgenden aufgeräumt werden soll.

Sinnvollerweise erklärt man dieses differenzierte Phänomen am besten wieder mithilfe einer Tabelle:

Falsch

Richtig

Erklärung

beim lesen;

beim reiten;

beim studieren

beim Lesen

beim Reiten

beim Studieren

Substantivierungen werden immer groß geschrieben.

ich gehe Sonntags in die Kirche;

wir haben Werktags geöffnet

ich gehe sonntags in die Kirche;

wir haben werktags geöffnet

Wird aus einem Substantiv ein Adverb, schreibt man es klein.

wir gehen Morgen einkaufen

wir gehen morgen einkaufen

Adverbien werden immer klein geschrieben

morgen früh stehe ich bald auf

morgen Früh stehe ich bald auf

Substantive werden immer groß geschrieben

wir gehen gerne Essen

wir gehen gerne essen

Verben werden immer klein geschrieben

Text: vollständiger Satz.

Text: Vollständiger Satz.

Folgt auf einen Doppelpunkt ein syntaktisch vollständiger Satz, wird immer groß weitergeschrieben. Folgt ein unvollständiger Satz: klein.

Schuld sein;

Recht haben;

bescheid geben

schuld sein;

recht haben;

Bescheid sagen

Geht es um getrennt geschriebene Verben – die meisten Verben mit mehr als einem Bestandteil werden getrennt geschrieben – dann sind alle Bestandteile klein zu schreiben. Nur, wenn es um ein Substantiv geht, das stets ein Verb erforderlich macht, bleibt die Regel bestehen: Verben klein-, Substantive großschreiben.

IX. Die „neue“ deutsche Rechtschreibung

Verständlicher Weise ärgerte man sich um die letzte Jahrtausendwende herum vor allem in Süd-, West- und Ostdeutschland über die neue deutsche Rechtschreibung, die primär von norddeutschen Germanisten auf dem Reißbrett entwickelt wurde und sich in ihrer Logik oft dem Norddeutschen unterwarf, was andernorts nicht immer einleuchtend war und ist.

Wenn das <ß> nur nach langem Vokal steht, dann mag es im Norden schon logisch sein, von „Fußball“ zu sprechen, während man im Süden jedoch immer von „Fussball“ gesprochen hat. Die Schreibweise ist heute überall dieselbe: Fußball. Nur die Schweizer kochen wieder ihr eigenes Süppchen, die haben das <ß> einfach komplett ausgemerzt.

Eine Tabelle soll dabei helfen, die wichtigsten Regelungen der gar nicht mehr so neuen Sprachreform auf einen Blick zu verinnerlichen:

alt

neu

Erklärung

meßen, gerißen, Riß, Schloß

Messen, gerissen, Riss, Schloss

Nach kurzem Vokal folgt immer ein <ss>.

rauh, Känguruh

rau, Känguru

Hinter langen Diphtongen folgt kein Dehnungs-h mehr.

Bändl, Gräul, Stängl, bayrisch

Bändel, Gräuel, Stängel, bayerisch

In der Stammbeschreibung wird nun zur einfachen Überleitung ein Vokal eingebaut; meist ist es ein <e>.

sitzenbleiben, liegenlassen, kennenlernen

Ebenso oder: sitzen bleiben, liegen lassen, kennen lernen

Aufeinander folgende Verben, die früher zusammen geschrieben werden mussten, dürfen heute immer auch getrennt stehen.

Dreifach, zwanzigjährig, Erstehilfekurs, Vierzigstundenwoche

3-fach, 20-jährig, Erste-Hilfe-Kurs, 40-Stunden-Woche

Zahlwörter werden häufig ausgeschrieben, was eine Adaption aus dem Englischen darstellt. Außerdem werden Komposita häufig durch Viertelgeviertstriche getrennt.

„Schön ist es heute“ sagte sie. / „Da hast Du recht“ antwortete er.

„Schön ist es heute“, sagte sie. / „Da hast Du recht“, antwortete er.

Wenn nach wörtlicher Rede der Satz weitergeht, folgt immer ein Komma nach den Abführungsstrichen.

Fenster = Fen-ster

Bäcker = Bäk-ker

Fenster = Fens-ter

Bäcker = Bä-cker

Heute trennt man zwischen <s> und <t>, dafür aber vor <ck> und <ch>, wodurch die Verdopplung des <k> in der getrennten Schreibweise komplett verschwunden ist.

Schiffahrt, Roheit, Zoorganisation, Kaffeernte,

Rolladen

Schifffahrt, Rohheit, Zooorganisation, Kaffeeernte, Rollladen

Vokale und Konsonanten werden in Komposita nicht mehr elidiert, sondern vollständig ausgeschrieben.

Photographie, Geographie, Telegraphie, Historiographie, Thunfisch, Panther, Potential, Differential

Ebenso oder: Fotografie, Geografie, Telegrafie, Historiografie, Tunfisch, Panter, Potenzial, Differenzial

Die griechischen Elemente wurden entfernt. Aus <ph> kann nun immer <f> werden, aus <th> hin und wieder <t> und aus der „-tial“-Endung kann nun immer eine „-zial“-Endung werden.

Globen, Atlanten, Kakteen

Ebenso oder: Globusse, Atlasse, Kaktusse

Die vereinfachte Form des Plurals, der ehemals falsche und dann schwache Plural, ist heute die dominante Variante und steht im Duden an erster Stelle.

von neuem, bei weitem, vor kurzem, bis auf weiteres

Ebenso oder: von Neuem, bei Weitem, vor Kurzem, bis auf Weiteres

Das deklinierte Adjektiv kann jetzt im Sinne einer falsch verstandenen Substantivierung auch groß geschrieben werden.

As, Karamel, Mop, Tip

Ass, Karamell, Mopp, Tipp

Bei kurzen Auslaut-Konsonanten wurden Doppelkonsonanten eingeführt.

X. Das verflixte Komma

Auf Nr. 10 gelistet, obwohl sicherlich der häufigste Fehler überhaupt, ist das Komma. Es wird im Deutschen seit der Einführung der neuen Rechtschreibung häufig dort gesetzt, wo es früher nicht erforderlich war, ist dafür manchmal verzichtbar geworden, wo das früher undenkbar war.

Generell gilt seit eh und je: Ein Nebensatz wird immer durch Komma(ta) vom Hauptsatz abgegrenzt. Kennzeichen des Hauptsatzes muss die syntaktische Vollständigkeit sein. Das heißt, ein Hauptsatz enthält immer mindestens Subjekt, Prädikat und Objekt. Letzteres kann in Extremfällen sogar auch noch wegfallen. Ein Beispiel hierfür wäre ein bekannter Filmtitel: „Nr. 5 lebt.“ Hierbei ist „Nr. 5“ als Name des Roboters Subjekt und „lebt“ Prädikat.

Ein Nebensatz kann durchaus auch einmal auf einen dieser Bestandteile verzichten. Am kniffligsten ist seit der Einführung der neuen Rechtschreibung sicherlich der sogenannte Erweiterte Infinitiv. Diese zu+Infinitiv-Konstruktion wurde früher stets ohne Komma geschrieben. Heute ist es jedoch möglich, ein Komma zu setzen, man muss es aber nicht.

Früher: Es ist immer wieder schwierig, alle Aspekte der neuen deutschen Rechtschreibung zu berücksichtigen.
Heute: Es ist immer wieder schwierig(,) alle Aspekte der neuen deutschen Rechtschreibung zu berücksichtigen.

Notwendig ist das Komma heute nur dann, wenn es andernfalls zu Zweideutigkeiten kommt. Auch hier hilft ein Beispielsatz am ehesten weiter:

Leider doppeldeutig: Der Versuch der Professorin zu schmeicheln…

Variante 1: Der Versuch, der Professorin zu schmeicheln…
Variante 2: Der Versuch der Professorin, zu schmeicheln… 

Der SEO-Tipp: An alle Beschäftigten des SEO-Sektors und sonstigen Texter auf Web-Basis sei ein Appell gerichtet: Lasst eure Texte lektorieren! Warum? Ganz einfach, wer seine Fehler nicht heraus korrigiert, kann unter Garantie damit rechnen, dass seine Texte seltener gefunden werden als diejenigen in einwandfreier Schreibweise. Denn trotz aller beliebten Rechtschreibfehler gilt: Bei Google und Co. geben Suchende in der Regel bewusst die korrekte Schreibweise ihres Suchbegriffs ein, wenn sie nicht gerade danach auf der Suche sind.

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Max Schmitt ist Gründer und Inhaber von contify GmbH. Als gelernter Journalist hat er sich nach seinem Studium auf hochwertige Inhalte spezialisiert. Von suchmaschinenfreundlichen Texten über Interviews bis zu Content-Strategien setzen er und sein Team Botschaften in Szene. Mit seinem Co-Founder Matthias Meyer gründete er Oktober 2012 die Agentur m-square, aus der im Frühjahr 2016 die Tochterfirma contify – eine Textagentur für Content mit Mehrwert entstand.
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