Sprachliche Mittel

Jeder kennt es, wenn im Deutschunterricht ein Text vorgelegt wurde, den es zu analysieren galt. Eine der klassischen Fragen, die dabei stets auftraten, war diejenige nach den „Stilmitteln“; also den sprachlichen Mitteln zur Verschönerung der deutschen Sprache, um beispielsweise ein Gedicht lyrischer oder gehaltvoller zu machen. Doch welche unterschiedlichen Formen des rhetorischen Mittels gibt es, wo findet man sie und wie kann man sie selbst am besten einsetzen?

Definition

Ein Online-Lexikon definiert Stilmittel etwa wie folgt: „Die Stilmittel dienen der Aufwertung, Abwertung oder Beschwichtigung innerhalb eines Textes. Äußerst bedeutsam waren die rhetorischen Figuren und Tropen bis zum 18. Jahrhundert, als man sich allmählich von der Vorstellung trennte, dass Poesie erlernbar sei.“ Zusammengefasst: Mit Stilmitteln kann in bestehenden Texten ein besonderer Sachverhalt negativ oder positiv hervorgehoben werden.

Stilmittel in bestehenden Texten

Lautet die Aufgabe also, einen bereits bestehenden Text – meist lyrischen oder poetischen Inhalts – zu beschreiben, so kann man sich ganz gezielt nach Metaphern, Allegorien, Euphemismen, Alliterationen, Personifikationen, Hyperbeln, rhetorischen Fragen, Neologismen, Anaphern oder Ellipsen umschauen. Im Contify-Glossar werden all diese Möglichkeiten zur Verschönerung der deutschen Sprache erklärt.

Sprachliche Gestaltungsmittel in der eigenen Sprache

Möchte man hingegen Stilmittel in der eigenen Sprache verbauen, so ist das, entgegen dem oben genannten Zitat, natürlich immer noch möglich. Ein Text wird deshalb nicht gleich zur Poesie, nur weil man einmal mit sprachlichen Mitteln gearbeitet hat. Wie könnte ein Beispielsatz im Deutschen aussehen, in dem ein solches Konstrukt eingesetzt wurde, und der eben nicht „antiquiert“ oder poetisch klingt?

Beispiel 1: Der Chiasmus

Beim Chiasmus handelt es sich – der Benennung nach dem griechischen Buchstaben X (sprich: chi) entsprechend – um eine Überkreuzung zweier Satzbestandteile.

„Anna war von den Hausarbeiten nicht abgeschreckt,
vielmehr schreckten die Hausaufgaben Paul ab.“

Die Position des Subjekts (Anna/Paul) wechselt vom Satzteilanfang an das Satzteilende, beim dazugehörigen Verb (abgeschreckt/schreckten ab) verhält es sich genau umgekehrt. Nur das Objekt (Hausarbeiten/Hausaufgaben) bleibt an der gleichen Position stehen.

Beispiel 2: Die Personifikation

„Das Störende an den Hausaufgaben war in erster Linie einmal ihre Länge.“

Die Länge der Hausaufgaben wird vom Aussagenden als störend wahrgenommen. Diese Eigenschaft wird substantiviert und damit personifiziert, wodurch die Länge der Hausarbeit zum Agens, also zum Substantiv des Beispielssatzes wird.

Gibt es wichtige und unwichtige Stilmittel?

Pauschal kann man die Qualität rhetorischer Mittel nicht bewerten. Das hängt stark von der rezipierenden Instanz, also dem Leser, ab. Sicherlich gibt es einige sprachliche Mittel im Deutschen, die schon allein durch Zufall entstehen und demnach nicht einen ganz so schwerwiegenden Charakter haben, wie bewusst eingesetzte Verschönerungen des Satzbaus. Zwei weitere Beispiele veranschaulichen den Gehalt der Wichtigkeit.

Beispiel 3: Die versehentliche Anapher

„Heute Morgen habe ich zuerst geduscht. Danach gab es erstmal ein ausgewogenes Frühstück. Danach hat mich Mama in die Schule gefahren. Danach, noch bevor ich mich wirklich mit meinen Freunden unterhalten konnte, hat die Klassenleiterin sofort mit dem Unterricht begonnen.“

So oder so ähnlich könnte der Tagebucheintrag eines Teenagers aussehen. Rhetorisch brillant kann man das gewiss nicht nennen, aber durch die dreimalige Verwendung des Wortes „danach“ am Satzanfang dreier aufeinander folgender Sätze ist der Tatbestand der Verwendung einer „Anapher“ zumindest formell gegeben.

Beispiel 4: Die bewusste Hyperbel

Kaum zu glauben, aber gerade die Bibel steckt voller sprachlicher Mittel, um die damit beschriebenen Aussagen mit Nachdruck zu versehen. So findet sich beispielsweise bei Markus 10, Vers 25 folgende Stelle:

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

Bei diesem sogenannten „Gleichnis vom Nadelöhr“ verwendet Jesus die bewusste Übertreibung, um zu verdeutlichen, wie ernst es ihm mit seiner Aussage ist.

Info: Bei einem Gleichnis, wie sie von Jesus in der Bibel sehr häufig verwendet werden, handelt es sich übrigens meistens um das rhetorische Mittel der „Parabel“. Sie beschreibt stets etwas Außergewöhnliches, nicht Alltägliches, meist mit einer überraschenden Wendung am Ende.

Wirkung von Stilmitteln

Rhetorische Mittel können ganz unterschiedlich aufgenommen werden. Liest man beispielsweise ein Gedicht aus dem 18. Jahrhundert, so wird jeder Rezipient ganz unterschiedliche sprachliche Mittel entdecken. Kein Ergebnis ist hier falsch und auch „zu wenige“ davon kann man nicht finden, denn wenn sie einem nicht ins Auge springen, sind sie vielleicht nicht eindeutig genug. Das liegt im Ermessen des Lesers.

Bei eigenen Texten sollte man ruhig hin und wieder in die Trickkiste greifen, denn manchmal wird ein Text, sei es nun ein Aufsatz in der Schule oder eine Hausarbeit an der Uni, erst dadurch interessant. Aber generell gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Denn andernfalls ist ein sprachliches Stilmittel alles, nur nicht mehr besonders.

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