Satzreihe und Satzgefüge

Was ist der Unterschied zwischen einer Satzreihe und einem Satzgefüge? Eine Satzreihe, auch Parataxe genannt, bezeichnet die Gegenüberstellung zweier oder mehrerer gleichwertiger Satzteile oder Sätze. Ein Satzgefüge (Hypotaxe) hingegen beschreibt die Verbindung zweier oder mehrerer ungleicher Satzteile.

Satzreihe (Parataxe):

Wenn zwei einfache Hauptsätze ohne Nebensatzkonstruktion oder Parenthese aufeinander folgen – ganz gleich, ob sie nun mit Interpunktion oder durch Konjunktion voneinander getrennt sind – spricht man von einer Parataxe. Wenn ein Text aus vielen dieser Satzreihen, das heißt aus vielen Hauptsätzen besteht, spricht man von einem parataktischen Satzbau. Dies lässt sich am besten mithilfe eines Beispiels vermitteln:

Beispiel 1:

„Mama geht zur Arbeit. Papa erzieht die Kinder.“

„Mama geht zur Arbeit und Papa erzieht die Kinder.“

In beiden Fällen werden zwei Hauptsätze gegenübergestellt. Merkmal eines Hauptsatzes ist die Zusammensetzung aus Subjekt (Mama/Papa), Prädikat (geht/erzieht) und Objekt (zur Arbeit/die Kinder).

Satzgefüge (Hypotaxe):

Wenn ein Hauptsatz eine Nebensatzkonstruktion aus einem oder mehreren Nebensätzen erforderlich macht, spricht man von einem Satzgefüge. Verwendet der Autor eines Buches also vorwiegend sogenannte Schachtelsätze, spricht man von einem hypotaktischen Satzbau. Auch hier kann man mithilfe eines Beispiels schnell erkennen, was gemeint ist.

Beispiel 2:

„Während Mama, die schon seit jeher fürs Geldverdienen zuständig war, nicht zuletzt, weil sie studiert hat, arbeiten geht, kümmert sich Papa, eine Seele von Mensch, dem alle Lebewesen am Herzen liegen, um die Erziehung der Kinder.“

Dieses vielgliedrige Satzgefüge kann man am besten veranschaulichen, wenn man die Haupt- und Nebensatzstruktur aufschlüsselt. Dabei gelten folgende Abkürzungen: 

H = Hauptsatz; 

N1 = Nebensatz erster Ordnung; 

N2 = zweiter Ordnung; 

N3 = dritter Ordnung; 

N4 = vierter Ordnung.

 

H: {[Papa] kümmert sich […] um die Erziehung der Kinder.}

N1: {Während Mama, […] arbeiten geht,} — {eine Seele von Mensch,}

N2: {die schon seit jeher fürs Geldverdienen zuständig war,} — {dem alle Lebewesen am Herzen liegen,}

N3: {nicht zuletzt,}

N4: {weil sie studiert hat,}

Vor- und Nachteile:

Die Vorteile der Satzreihe liegen klar auf der Hand: Sie ist einfach, schnell zu verstehen und kommt ohne viel Pomp und Gloria aus. Dafür klingt ein parataktischer Satzbau oft nicht sehr gehoben und wirkt etwas hölzern oder gar holprig. Der Nachteil beim Satzgefüge ist die zum Teil hohe Komplexität der Hypotaxe, die nicht jedem Leser auf den ersten Blick einleuchtend erscheint. Der positive Aspekt hierbei ist allerdings die Möglichkeit einer gehobenen Ausdrucksweise. Die Gefahr besteht darin, so viele Nebensatzordnungen zu eröffnen, dass der Satz bei der ersten Lektüre unverständlich bleibt und ein mehrfaches Wiederholen des Lesevorgangs zur Folge haben kann.

Tipp: Wenn man eigene Texte schreibt, ist es wichtig, sich am Niveau der Zielgruppe zu orientieren. Eine Textaufgabe für Viertklässler besteht demnach besser aus einer Satzreihe, ein wissenschaftlicher Aufsatz darf wiederum auch mit dem Satzgefüge arbeiten.

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