Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt, selten auch Präteritumperfekt, ist eine sehr seltene Form zur Beschreibung einer Vergangenheit, die vor einer anderen Vergangenheit liegt – sie beschreibt die höchstmögliche Vorzeitigkeit im Deutschen. Doch wie wird diese seltene Erscheinungsform in der deutschen Sprache gebildet? Und welche Regeln sieht die deutsche Rechtschreibung hier vor? 

Info: Das Wort Plusquamperfekt stammt aus dem Lateinischen und stellt ein Kompositum aus drei Worten dar: plus bedeutet „mehr“, quam bedeutet „als“ und perfectum übersetzt man mit „vollendet“, hier meint es aber „vollendete Zeitform“. Frei übersetzt bedeutet Plusquamperfekt demnach „die mehr als vollendete Zeitform“.

Die Tempora

Das Tempus (lat. Zeit; Plural: tempora) beschreibt die zeitliche Form eines Verbs und macht deutlich, ob etwas gegenwärtig geschieht (Präsens), in der Zukunft geschehen wird (Futur) oder bereits geschehen ist (Perfekt). Zur letzten Variante zählt auch das Plusquamperfekt. Doch wodurch zeichnet es sich im Gegensatz zu anderen Vergangenheitsformen aus?

Abgrenzung

Die häufigsten Vergangenheitsformen sind das Perfekt (in der gesprochenen Sprache) und das Imperfekt, auch Präteritum genannt (in der geschriebenen Sprache). Je weiter eine Tempusform in der Vergangenheit zurück liegt, desto stärker ist der Grad ihrer Vorzeitigkeit. Ein solches Konstrukt sollte man sich jedoch am besten bildhaft vor Augen führen, damit die Unterschiede klar werden. In zwei Beispielen soll gezeigt werden, was es mit dem Plusquamperfekt im Deutschen auf sich hat:

Beispiel 1 – Die Tabelle:

Tempus

Vergangenheitsform des Verbs „gehen“ in der 3. Person Singular

Infinitiv

gehen

Präsens

er geht

Imperfekt

er ging

Perfekt

er ist gegangen

Plusquamperfekt

er war gegangen

Ein wenig komplizierter wird die Wortbildung im Passiv:

Tempus

Vergangenheitsform des Verbs „verhaften“ in der 3. P. Sg. Passiv

Infinitiv

verhaftet sein

Präsens

er ist verhaftet

Imperfekt

er war verhaftet

Perfekt

er ist verhaftet gewesen

Plusquamperfekt

er war verhaftet gewesen

Am ehesten wird dieses seltene Tempus verständlich, wenn man es in einen echten Satz einbaut und dort anderen Zeitformen gegenüberstellt:

Beispiel 2 – Der Schachtelsatz:

„Das Wunder von Bern, das so viele Deutsche begeisterte, ist nur deshalb möglich gewesen, weil das Saarland – ein wirklich herausragender Fußballerstaat – Deutschland zuvor wieder einverleibt worden war.“

In diesem Satz verstecken sich drei verschiedene Vergangenheitsformen, die sich jedoch voneinander unterscheiden:

  1. Das Imperfekt/Präteritum: begeisterte
  2. Das Perfekt: ist … möglich gewesen
  3. Das Plusquamperfekt: einverleibt worden war

Merkhilfe

Wenngleich die höchste Form der Vorzeitigkeit im Deutschen nur sehr selten gebraucht wird, sollte man sie im Zweifel erkennen können. Dafür gibt es eine einfache Merkhilfe. Besteht das Verb in seiner Vergangenheitsform aus zwei (Aktiv) oder drei Bestandteilen (Passiv), kann es nur ein Perfekt (einverleibt worden ist) oder ein Plusquamperfekt (einverleibt worden war) sein. Wenn es dann möglich ist, die finite Verbform in einen noch vorzeitigeren Zustand zu versetzen, handelt es sich nicht um das Präteritumperfekt.

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