Anglizismen im Deutschen

In der deutschen Sprache und Schrift finden sich einige Wörter mit besonderer Herkunft. Sie entstammen nicht (oder zumindest nicht in direkter Linie) den Vorformen des Deutschen (Germanisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch und Frühneuhochdeutsch), sondern wurden als Fremd- oder Lehnwörter aus anderen Sprachen übernommen. Neben einer Vielzahl von Einflüssen (Slawismus, Romanismus, Arabismus, Latinismus, Graecismus usw.) ist vor allem das Englische mit seinen Anglizismen im modernen Deutschen stark präsent.

Wo treten Anglizismen auf?

Neben diesem Eintrag finden sich noch weitere Blogbeiträge zu den Besonderheiten von Anglizismen, beispielsweise allgemeine Erklärungen, aber auch eine Liste vieler dieser Adaptionen, die natürlich noch erweitert werden kann und wird – denn Sprache ist stets im Wandel.

Info: Veränderungen einer Standardsprache hat es schon immer gegeben. Sie aufhalten zu wollen wäre eine nicht zu bewältigende Sisyphusarbeit. Goethe und Schiller gelten beispielsweise als die wichtigsten Einflussgrößen der deutschen Gegenwartsprache, doch schon sie sprachen und schrieben ein komplett anderes Deutsch als heute gebräuchlich.

Jugendsprache

Angelsächsische Sprachadaptionen treten gewiss nicht nur in der Schrift auf. Gerade auch in der gesprochenen Sprache haben sie sich seit Jahrzehnten festgesetzt und werden immer wieder um neue Wörter erweitert. Dabei bedient sich vor allem die Sprache der Jugendlichen zwischen 13 und 25 Jahren immer wieder einer „aktuellen“ Varietät des Deutschen, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie viele Sprachelemente des Englischen beinhaltet, aber auch eigene, zumeist nur englisch klingende Kunstworte entwickelt: So kommt das Wort „Digger“, das in den vergangenen Jahren den Begriff „Alter“ abgelöst hat, eigentlich von der hamburgischen Aussprache des deutschen Wortes „Dicker“ und nicht etwa von südamerikanischen Goldgräbern (engl.: digger).

Medizin

Waren früher noch das Lateinische und das Griechische die Sprachen, aus denen sich diese Humanwissenschaft gespeist hatte, so müssen sie heute an vielen Stellen dem Englischen Platz machen. Begriffe wie „Bypass“, „Stent“, „Coping“ oder „Flapping Tremor“ haben die moderne Medizin nach und nach erobert. Die Dominanz der US-amerikanischen Forschung konnte für diese Entwicklung sorgen.

Wissenschaft

Selbst in der deutschsprachigen Wissenschaftswelt hat sich die Dichte von Anglizismen immer mehr verstärkt. So spricht man bei einem wissenschaftlichen Forschungsaufsatz nicht erst seit kurzem auch in Deutschland von einem „Paper“ oder einem „Essay“. Und möchte man andere Wissenschaftler dazu auffordern, sich an einem Projekt zu beteiligen, das ganz viele dieser Essays beinhalten soll, schreibt man ein „Call for Papers“ (CfP), also einen Aufruf zum Verfassen wissenschaftlicher Beiträge.

Fazit

Die Reihe von Einflussgebieten, welche gegenwärtig im Deutschen von Anglizismen betroffen sind, ließe sich noch beliebig erweitern. Stellvertretend für alle ungenannten Bereiche sei hier deshalb zusammenfassend gesagt: Anglizismen treten beinahe überall auf, bestimmen mal mehr und mal weniger den Charakter des Einflussgebiets und erweitern die deutsche Standardsprache um ein Portfolio von Lehn- und Fremdwörtern, deren Gebrauch alles andere als sinnbefreit ist. 

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