Adjektivdeklination

Eine grammatikalische Besonderheit, die keinem Muttersprachler bewusst auffällt, ist die hochkomplexe Adjektivdeklination im Deutschen. Wer hingegen deutliche Schwierigkeiten hat, die Logik hinter diesem sprachlichen Phänomen zu begreifen, sind Menschen, die Deutsch als Zweit- oder Dritt-, also als Fremdsprache erlernen. Der folgende Beitrag kann mithilfe eines ganz einfachen Tricks dabei helfen, bei Adjektivdeklinationen nie wieder unsicher zu sein.

Hinweis: Lernt man Deutsch als Fremdsprache, sollte man zunächst die bestimmten und unbestimmten Artikel beherrschen, ehe man sich der Adjektivdeklination zuwendet.

Was sind Adjektive und wie dekliniert man sie?

Ein Adjektiv ist ein erklärendes Beiwort, das ein Substantiv näher beschreibt. Beispiel: ein großer Mann, eine schöne Frau, ein teures Auto. Bereits an diesen drei Beispielen fällt auf, dass die Endungen variieren. Einmal finden sich hier -er, dann -e und zuletzt -es. Dahinter verbergen sich die drei Genera der deutschen Sprache: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Im Plural sind die Endungen dann in allen drei Geschlechtsformen gleich.

Das Adjektiv und sein Genus

Um anhand eines Beispieladjektivs zu zeigen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Wort innerhalb der Adjektivdeklination auftreten kann, sei zunächst auf folgende Tabellen verwiesen. Keine Sorge: Am Ende des Artikels wird klar sein, was sich dahinter verbirgt und wie man sich die damit verbundene Regel zur Adjektivdeklination merken kann, ohne alles nur auswendig zu lernen:

Die Adjektivdeklination am Beispiel des Wortes „gut“ ohne Artikel

Maskulinum

Femininum

Neutrum

Plural

Nominativ

guter

gute

gutes

gute

Genitiv

guten

guter

guten

guter

Dativ

gutem

guter

gutem

guten

Akkustativ

guten

gute

gutes

gute

Es fällt auf, dass sich die Endungen der deklinierten Adjektive unterscheiden können, wenn ein bestimmter oder unbestimmter Artikel vorangestellt wird:

Die Adjektivdeklination am Beispiel des Wortes „schlecht“ mit bestimmtem Artikel

 

Maskulinum

Femininum

Neutrum

Plural

Nominativ

(der) schlechte

(die) schlechte

(das) schlechte

(die) schlechten

Genitiv

(des) schlechten

(der) schlechten

(des) schlechten

(der) schlechten

Dativ

(dem) schlechten

(der) schlechten

(dem) schlechten

(den) schlechten

Akkustativ

(den) schlechten

(die) schlechte

(das) schlechte

(die) schlechten

Betrachtet man sich nun die dritte Tabelle, kann man feststellen, dass die Endungen der Kasus oftmals gleich sind. In beiden Tabellen mit Artikel sind beispielsweise alle Endungen in den Kasus Genitiv und Dativ gleich – egal, ob feminin, maskulin oder neutral. Einzige Ausnahme: der Genitiv Plural mit bestimmtem Artikel. Beim Femininum und Neutrum sind außerdem die Endungen im Nominativ und im Akkusativ immer gleichlautend.

Die Adjektivdeklination am Beispiel des Wortes „brav“ mit unbestimmtem Artikel

 

Maskulinum

Femininum

Neutrum

Plural

Nominativ

(ein) braver

(eine) brave

(ein) braves

(zwei) brave

Genitiv

(eines) braven

(einer) braven

(eines) braven

(zweier) braver

Dativ

(einem) braven

(einer) braven

(einem) braven

(zwei) braven

Akkustativ

(einen) braven

(eine) brave

(ein) braves

(zwei) brave

Weitere Merkhilfen:

Abseits davon gibt es noch einige Gedächtnisstützen, die bei der Fragen nach der korrekten Adjektivdeklination helfen können: 

  • Die Endungen im Nominativ und im Akkusativ sind immer gleich (Ausnahme: Maskulinum)
  • Die Endungen im Dativ unterscheiden sich allesamt von derjenigen im Nominativ.
  • Verwendet man die Possessivartikel (mein, dein, sein/ihr) oder die Negationsformel (kein), verfahren die Endungen bei den Adjektiven wie im Fall der unbestimmten Artikel.

Die Crux mit der Logik

„Logisch“ ist in der Adjektivdeklination im Deutschen eigentlich nichts. Muttersprachler haben den klaren Vorteil, dass sie all die komplexen Varianten von Adjektiven bereits in die Wiege gelegt bekommen. Deshalb ist dieser Teil der Grammatik in der deutschen Sprache auch speziell für Menschen wichtig, die Deutsch als Fremdsprache erlernen. Der wichtigste Tipp ist und bleibt: Beherrscht man das Artikelsystem, kann man bei der Adjektivdeklination auf dieses Wissen zurückgreifen und muss nur noch die Ausnahmen lernen.

 

 

Riccardo Altieri

Riccardo Altieri studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik. Derzeit beendet er sein Masterstudium, um anschließend mit einer Dissertation im Fachbereich der Neuesten Geschichte zu beginnen. Der Autor und Herausgeber mehrerer Bücher ist seit Firmengründung als Korrektor fester Bestandteil des Teams und kümmert sich um das textbasierte Qualitätsmanagement.

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